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Die Qualität Ihrer Produktion erhöhen: Was ist Six Sigma?

8. April 2021 08:25:00 MESZ / von Marketing Team

Six Sigma: Das höchstmögliche Maß an Perfektion erreichen

Für produzierende Unternehmen im harten globalen Wettbewerb ist eine kontinuierliche Optimierung der Prozessketten nicht nur unerlässlich, sondern der Schlüssel zum Erfolg. Im Rahmen dieser Blog-Reihe beleuchten wir unterschiedlichste Ansätze zur Produktivitätssteigerung. Im heutigen Teil betrachten wir mit dem Six Sigma Ansatz ein Managementsystem zur Prozessverbesserung. Das Kernelement der Methode ist die Messung, Analyse, Beschreibung, Verbesserung und Überwachung von Geschäftsabläufen mit statistischen Mitteln. Ein umfangreiches Arsenal an Werkzeugen dient im Rahmen von Six Sigma Projekten der Verbesserung von Unternehmensergebnissen.

Die Entwicklung von Six Sigma

Die Vorläufer der Six Sigma Methode gehen auf Ansätze zurück, die in den frühen 1970er Jahren zunächst in der japanischen Schiffbauindustrie und kurz danach in der japanischen Konsumgüter- und Elektronikindustrie eingeführt wurden. Six Sigma wurde rund 15 Jahre später, genauer gesagt im Jahre 1987, von Motorola in den USA entwickelt. Große Bekanntheit erlangte Six Sigma schließlich Mitte der 1990er Jahre durch den Manager Jack Welch, der Six Sigma bei der General Electric (GE) einführte. Für den Erfolg durch den Einsatz von Six Sigma wurde Jack Welch 2002 mit dem Premier Leader Award der International Society of Six Sigma Professionals (ISSSP) ausgezeichnet.

Six Sigma heute

Six Sigma hat sich als Optimierungsmethode in zahlreichen Großunternehmen weltweit durchgesetzt – und das nicht nur in der produzierenden Industrie, sondern auch im Dienstleistungssektor. Viele Unternehmen erwarten mittlerweile von ihre Lieferanten Nachweise über Six Sigma Qualität in der Produktionskette. Seit über 20 Jahren wird die Six Sigma Methode in vielen Umsetzungen mit Methoden des Lean Managements kombiniert. Diese leistungsstarke Mischung wird als Lean Sigma oder auch Lean Six Sigma bezeichnet. Einen weiteren Meilenstein erreichte Six Sigma im Jahre 2011 durch die erste Norm (ISO 13053-2011). Allerdings existiert bis dato kein einheitlicher Body of Knowledge – und somit auch keine einheitliche Zertifizierungsbasis – für Six Sigma. Dies führte zu einer Entwicklung von unterschiedlichen Six Sigma Zertifizierungsmaßnahmen mit unterschiedlichen Inhalten.

Was bedeutet der Name Six Sigma?

In der Mathematik repräsentiert der griechische Buchstabe Sigma die Standardabweichung einer Grundgesamtheit. Das bedeutet, dass Sigma ein Indikator für eine Abweichung vom Mittelwert darstellt. Methodisch betrachtet steht hinter Six Sigma der Ansatz, die Leistungsfähigkeit von bestehenden Prozessen durch Kennzahlen messbar zu machen. Ist die Streuung dieser Kennzahlen zu hoch, spricht dies für eine suboptimale Prozessfähigkeit – und Six Sigma weist durch die Zusammenführung von Ursache und Wirkung die Auslöser für Prozessprobleme nach. Vereinfacht gesagt lässt sich anhand von Fehlerzahlen in einem Prozess mittels Statistikprogrammen das Sigma-Niveau ermitteln.

Six Sigma: Basis für optimalen Service und fehlerfreie Produkte

Moderne Kundenanforderungen sind eine Herausforderung für das produzierende Gewerbe. Kunden erwarten – völlig zu Recht – fehlerfreie Produkte und einen schnellen, zuverlässigen Service. Für Produzenten bedeutet dies, dass sowohl innerhalb der Produktionskette als auch bei den fertigen Produkten für hundertprozentige Qualität gesorgt werden muss. Allerdings ist eine hundertprozentige Perfektion ein Idealzustand, der in der Realität kaum erreicht werden kann. Denn was allgemein wohl bekannt ist: es kann immer wieder mal zu Fehlern kommen. Durch die Six Sigma Methode soll das höchstmögliche Maß an Perfektion erreicht werden – zumindest zu 99,99966 %.

Wie kommt diese Prozentzahl zustande?

Six Sigma basiert auf Statistik sowie dem mathematischen Modell der Normalverteilung von Messwerten. Die Produktqualität und die Qualität unternehmensinterner Prozesse sollen gemäß Six Sigma Ansatz innerhalb eines genau definierten und sehr engen Bereichs liegen. Erfüllen die produzierten Waren und Güter diese Vorgabe, wird die Qualität als „in Ordnung“ klassifiziert. Alles, was außerhalb dieses Bereiches liegt, gilt als fehlerhaft. Mit Six Sigma stellen Unternehmen sich selbst die Herausforderung, dass 99,99966 % aller Messwerte innerhalb des vorab definierten Bereiches liegen müssen. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass es bei einer Million Möglichkeiten an Fehlern maximal 3,4 Fehler geben darf.

Wer an Six Sigma denkt, hat wahrscheinlich nicht sofort eine Verbindung zum deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß im Sinn. Doch ohne die Vorarbeit von Gauß gäbe es den Six Sigma Ansatz nicht. Gauß hat im Zuge seiner Arbeiten die Gaußsche Normalverteilung beschrieben, die abbildet, wie Messwerte von einem frei definierbaren Mittelwert abweichen. Die meisten Messwerte liegen dabei in einem Bereich nahe des Mittelwertes. Nur wenige Messwerte "tanzen aus der Reihe" beziehungsweise sind weit vom Mittelwert entfernt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Messwert auffallend stark von einem Mittelwert abweicht, ist gering – und sinkt mit der Höhe der Abweichung. Ein Maß für diese Abweichung ist „Sigma“.

Die statistisch erfassbare Wahrscheinlichkeit, dass ein Messwert um sechs Sigma abweicht, beträgt bei der Gaußschen Normalverteilung nur und gerade mal 0,0000001973 %. Da man beim Six Sigma Konzept davon ausgeht, dass es beim Mittelwert eine nie zu verhindernde Abweichung von 1,5 Sigma geben kann (die sogenannte Mittelwertverschiebung), wird eine maximal erzielbare Qualität von den oben bereits erwähnten 99,99966 % gefordert.

Kaum ein Unternehmen erzielt Six Sigma - Warum?

Wenn man bedenkt, dass für das Erreichen von Six Sigma bei 10 Millionen produzierten Artikeln nur 34 davon fehlerhaft sein dürfen, wird schnell klar, dass dieses Ziel für die meisten Unternehmen Anstrengungen voraussetzt, die trotz bestem Qualitätsmanagement kaum zu erfüllen sind. Die wenigsten Unternehmen erreichen das Idealziel, der Durchschnitt liegt bei drei bis vier Sigma – ein immer noch durchaus respektabler Wert.

Allerdings gibt es einige Bereiche, in denen das Six Sigma Konzept mit 99,99966 Prozent Qualität unumgänglich sind. Als Beispiel zur Veranschaulichung kann man die Kraftwerke und deren Stromproduktion heranziehen. Arbeiten Kraftwerke zu 99 Prozent gut, was einer Fehlerquote von "nur" einem Prozent entspricht, würde dies einen monatlichen Stromausfall von 7 Stunden bedeuten. Folgen die Kraftwerke aber dem Six Sigma Konzept mit 99,99966 Prozent "gut", ist genau eine Stunde Stromausfall zu befürchten – alle 34 Jahre. Bei Ärzten stehen 5.000 Kunstfehler pro Woche bei 99 Prozent guter Leistung exakt 1,7 Kunstfehlern pro Woche gegenüber und die Autoindustrie müsste sich mit 3 Garantiefällen pro Neuwagen beschäftigen – gegenüber einem Garantiefall je 980 Neuwagen.

Die Six Sigma Werkzeuge

Unternehmen, die nach dem Six Sigma Konzept arbeiten wollen, können auf unterschiedliche Werk-zeuge aus der Six Sigma Toolbox zurückgreifen. Diese Werkzeuge sind so strukturiert, dass sich mit ihnen alle Aufgaben abdecken lassen, die durch den Einsatz von Six Sigma im Unternehmen anfallen können. Zu den Werkzeugen gehören unter anderem:

  • Projektmanagement-Tool
  • Kundenanalyse-Werkzeuge
  • Planungstechniken
  • Entscheidungstechniken
  • Prozessdesign
  • Grafische Werkzeuge
  • Prozessanalyse
  • Statistiken zur Steuerung und Analyse

Wie integriert man Six Sigma ins Unternehmen?

Alle Six Sigma Projekte zur Verbesserung werden von speziell ausgebildeten und trainierten Mit-arbeitern geleitet. Das Führungskonzept beruht auf Rollen, die sich an den Gürtelfarben japanischer Kampfsportarten orientieren:

Ganz oben in der Six Sigma Hierarchie steht der Champion. Dies kann beispielsweise in der Rolle des Leiters des Strategischen Managements ein erfolgreicher Unternehmer sein, der lehrende Veranstal-tungen an Unis leitet.

Ein Mitglied der Unternehmensleitung, der als Fürsprecher für Six Sigma im Unternehmen dient, wird als Auslieferungschampion bezeichnet.

Ein Mitglied des mittleren Managements, der als Auftraggeber für verschiedene Six Sigma Projekte im Unternehmen fungiert, hat die Rolle des Projektchampions inne.

Der Master Black Belt (Schwarzer Meistergürtel) ist ein (häufig externer) Vollzeitverbesserungs-experte, der als Ausbilder, Coach und Trainer agiert.

Der Black Belt (Schwarzer Gürtel) ist ebenfalls als Vollzeitexperte tätig und übernimmt Projekt-managementaufgaben. Für den schwarzen Gürtel müssen gemäß Six Sigma Konzept vier Verbesser-ungsprojekte pro Jahr mit einer nachgewiesenen Kürzung der Ausgaben um jeweils 200.000 Euro durchgeführt worden sein.

Der Green Belt (Grüner Gürtel) ist zumeist im Management tätig, als Abteilungsleiter, Meister oder Planer. Green Belts arbeiten direkt in Projektteams, leiten Projekte in ihren Aufgabenbereichen und erstatten Bericht an den Black Belt.

Anwendung von Six Sigma im Unternehmen – Diese 5 Phasen sind entscheidend

Der Kernprozess von Six Sigma wird durch das Akronym DMAIC beschrieben. DMAIC steht für die fünf Phasen von Six Sigma:

DMAIC

DMAIC dient der Verknüpfung der einzelnen Tools über die unterschiedlichen Phasen der Prozessoptimierung hinweg – das Projekt erhält so eine chronologische und systematische Struktur.

Die einzelnen Phasen gestalten sich wie folgt:

1) Define

In dieser Phase wird der aktuelle Zustand dokumentiert. Auch wird festgelegt, wer die Kundschaft des Prozesses ist und welcher Bedarf erfüllt werden soll. Auch Parameter wie Zeiträume, Grenzen oder der Umfang werden in der ersten Phase festgelegt.

2) Measure

Messen bedeutet in dieser Phase, dass die aktuelle Ausprägung vorhandener Leistungsmerkmale erfasst wird. Hierzu lassen sich statistische und grafische Werkzeuge einsetzen.

3) Analyse:

In Phase 3 sollen Ursache-Wirkungs-Beziehungen dargestellt werden, um so möglichst umfassend Ursachen für die Abweichung von vorgegebenen Zielen herauszufinden. Brainstorming und statistische Methoden sind für diese Phase die geeigneten Werkzeuge.

4) Improve

Phase 4 ist die Verbesserungsphase. Hier sind Lösungen für die identifizierten Probleme zu finden. Geeignete Werkzeuge sind auch hier das Brainstorming oder auch Mindmapping. Gefundene Lösungen werden anhand von Normen und Vorschriften auf ihre Umsetzungsfähigkeit geprüft und ebenso bewertet. Die vorteilhafteste Lösung wird nach einer Entscheidung umgesetzt.

5) Control

Die finale Phase soll die erreichten Optimierungen im Arbeitsalltag verankern. Durch Standardisierungen und Dokumentationen soll eine möglichst effiziente Umsetzung der Verbesserungen im Unternehmen erzielt werden. Die Überprüfung der erreichten Ziele erfolgt anschließend durch das Controlling des Unternehmens.

Fazit

Auch wenn der Einstieg in Six Sigma zunächst sperrig und stark zahlenorientiert erscheint- der Erfolg gibt der Methode Recht. Durch statistische Methoden erzielen Unternehmen dank Six Sigma höchste Qualität der Produkte – und somit eine wettbewerbsfähige Kundenzufriedenheit. Auch und gerade in Zeiten der digitalen Transformation und dem IoT sind statistische Messungen schnell und zuverlässig durchzuführen, so dass zu erwarten ist, dass sich Six Sigma zukünftig noch mehr verbreiten wird.

Im Rahmen der Industrie 4.0 können benötigte Daten für die statistische Auswertung direkt dort aufgenommen werden, wo sie entstehen – an der Maschine oder entlang der gesamten Wertschöpfungskette.


Quellen:
https://www.business-wissen.de/hb/six-sigma-als-grundlage-fuer-das-qualitaetsmanagement/
https://www.six-sigma.de/six-sigma/
https://www.quality.de/lexikon/six-sigma/

Tags: Produktivitätssteigerung, Ratgeber

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